Das Minenfeld - Kommunikation mit der Expartnerin
Schon bei diesem Titel kräuseln sich mir die Fußzehen. Nicht, weil ich es nicht oft genug probiert habe. Nein, weil es einfach immer wieder vergebene Liebesmüh ist.
Patchworkfamilie gründen: Vom Zuckertütenfest und großen Träumen
Es war vor vielen Jahren, als mein jüngeres Ziehkind gerade vom Kindergarten in die Schule wechseln sollte. Kindergärten veranstalten für diese Übergänge sogenannte Zuckertütenfeste. Genau mein Ding... nicht. Aber was tut man nicht alles? Daniel und ich waren damals noch nicht so lange zusammen. Und meine Traumvorstellung von einer harmonischen Patchwork-Familie bestand noch - zumindest in den Ansätzen. Bereits in den ersten Monaten der Beziehung offenbarten sich Dinge und ereigneten sich Situationen, die ich sonst nur aus Daily Soaps kannte.
Emilie war damals noch relativ jung und wie Kinder so sind, blubbern sie einfach raus, was ihnen so durch den Kopf geht. So erzählte sie eines Tages, sie dürfe sich laut ihrer Mutter „nicht so viel von mir abgucken“. Nein, bloß nicht! Auch wäre es völlig unangebracht gewesen, mit welcher Kleidung ich die Kinder in Kindergarten und Schule geschickt hätte. Spoiler: Es handelte sich um die Kleidung, die im Zuge des Wechsels getragen wurde.
Konflikte mit der Ex-Frau: Unsere „Drei-Wochen-Regel“
Zurück zum Zuckertütenfest. An diesem Tag traf ich für mich eine Entscheidung: Das mit der Expartnerin und mir wird nichts. Wir sind einfach so unglaublich unterschiedlich und wir haben ein so verschiedenes Mindset, dass wir uns wohl nur über das Notwendigste unterhalten sollten. Sie war jedoch der Meinung, mir mitten auf diesem Fest zu nahe treten zu wollen. Wir leben wohlgemerkt auf einem Dorf. Meine Motivation dort klärende Gespräche zu führen, war gleich null. Als ich ihr dann das dritte Mal mitteilte, dass es sich hierbei um einen völlig falschen Rahmen handelt, fanden wir in der Folgewoche tatsächlich einen gemeinsamen Termin.
Ja, richtig gelesen: Wir haben uns zu einem klärenden Gespräch getroffen. Dieses Gespräch ging gute zwei Stunden und war nach meiner Erinnerung auch sehr zielführend. Zumindest für drei Wochen.
Diese drei Wochen sind im Übrigen eine „goldene Regel“ geworden: Egal, was danach jemals besprochen wurde - es hielt genau drei Wochen an, danach war es hinfällig. In diesem Gespräch gestand sie mir immerhin ehrlich, dass ihre Verlustangst das große Problem sei. Diese stünde ihr im Weg und gebe ihr das Gefühl, ich nehme ihr die Kinder weg.
Obwohl ich es damals für unbegründet hielt, war ich umsichtig und mitfühlend. Ich versuchte ihr verständlich zu machen, dass dies in keiner Weise mein Ansinnen war - und bis heute nicht ist. Eine Mutter ersetzt man nicht und will ich auch gar nicht. Naja, wie gesagt, die Vorsätze hielten drei Wochen an, danach ging diese kräftezehrende Dynamik von vorn los und hält bis heute an.
Funkstille in der Patchworkfamilie als Selbstschutz
Zwischen ihr und mir findet faktisch keine Kommunikation mehr statt. Wenn wir doch mal begegnen - auf Abschlussfeiern, dem 18. Geburtstag meiner Großen - dann ist es einfach nur spürbar distanziert und oberflächlich. Mehr als ein „Hallo“ und „Tschüss“ ist nicht mehr drin.
Bei Daniel ist es nicht viel anders. Ja, er muss hin und wieder mit ihr in Kontakt treten. Klar, es gibt schließlich Dinge, die die Kids betreffen. Während Daniel widerwillig den Kontakt per WhatsApp sucht, kommen Rückmeldungen oft direkt über die Kinder zurück oder einfach nur ein subtiles „ok“.
Ich finde es furchtbar. Was auch immer - jemals zu einer Trennung geführt hat, es ändert nichts daran, dass zwei Kinder aus dieser Beziehung entstanden sind. Es gibt Themen, die einen mindestens 20 Jahre verbinden. Irgendwann muss dann auch mal gut sein. Man sollte über seinen eigenen Schatten springen und sich mit Respekt begegnen.
Ich meide die Kommunikation heute nur deshalb, weil ich vom ersten Tag an genau diesen Respekt nicht erfahren habe. Und dabei gab es wirklich viele Versuche, das Zuckertütenfest war nur einer davon.
Was das „Minenfeld“ und die blockierte Kommunikation mit den Kindern macht
Und jetzt fragt euch bitte, was diese Belastung mit den Kindern macht. Beide verstehen langsam, was sich über all die Jahre ereignet hat. Sie sind nun alt genug, um die Situationen zu reflektieren. Und dabei rede ich noch nicht von den Kindesübergaben, an denen früher vor den Kids geweint wurde, weil der Vater so ein schlechter Mensch sei, oder vom Augenrollen, wenn die Kinder bei ihr etwas von uns erzählten. Die Kids haben die Nase gestrichen voll. Sie betrachten das Verhalten als unsinnig und überflüssig. Und während wir Eltern unter der Situation leiden und die Tage zählen, bis die Kinder endlich erwachsen sind, ist es für die Kinder, die permanent zwischen den Stühlen sitzen, eine enorme mentale und psychische Herausforderung.
Meine Learnings für euch
Tipps für leibliche Eltern:
- Sprecht euch aus: Räumt eure Differenzen aus dem Weg.
- Respektvolles Minimum: Wenn ihr euch nicht mehr einig werdet, beschränkt die Kommunikation auf das Nötigste, aber bleibt dabei höflich.
- Keine Sprachrohre: Klärt Dinge unter den Erwachsenen. Kinder sind keine Boten für eure Anliegen.
- Biografie achten: Lasst Kinder von jeweils anderen Elternteil erzählen, hört ihnen interessiert zu, fragt nach und respektiert das jeweils andere Elternteil als Biografie des Kindes.
- Die Macht des Lächelns: Ein freundliches „Hallo“ verbunden mit einem Lächeln hat noch niemandem wehgetan und entspannt die Lage sofort.
Tipps für die Ziehmütter und -väter:
- Neutral bleiben: Blast nicht in das Rohr der Missgunst oder Eifersucht. Bleibt aufgeschlossen und freundlich.
- Akzeptanz: Akzeptiert die leiblichen Elternteile als festen Teil im Leben der Kinder.
- Kein Lästern: Redet nicht schlecht über die leiblichen Elternteile vor den Kindern.
- Mentaler Abstand: Wenn die Situation so verfahren ist wie bei uns: Nimm Abstand. So viel wie möglich, so wenig wie nötig. Das gilt physisch, aber vor allem mental. Je größer dein mentaler Abstand ist, desto weniger können dich diese Kommunikations-Fails verletzen.
Da fällt mir im Übrigen der 18. Geburtstag meiner großen Tochter ein. Oh Gott, was war das für eine Aktion! Kommunikation gleich null - das traurige Ergebnis von jahrelangem Fehlverhalten. Aber diese Story erzähle ich euch beim nächsten Mal.
