Volljährig im Minenfeld: Wenn der 18. Geburtstag zur Zerreißprobe wird
In meinem letzten Beitrag habe ich euch angedeutet, wie viele Minen in einem Minenfeld in puncto Kommunikation in einer Patchwork-Familie verborgen liegen können. Es ist gar nicht lange her, da wurde mein großes Ziehkind 18. Was für eine Aktion, sage ich euch! Abgesehen davon, dass die Party am Ende echt genial war, war doch die Vorbereitung alles andere als lustig und mit vielen Tränen verbunden.
Patchworkfamilie & der 18. Geburtstag: Der Plan für die Party
Alles begann im Frühjahr letzten Jahres. Unsere Tochter wünschte sich zu ihrem Geburtstag Ende September eine große Party. Also genügend Zeit, sich um alles zu kümmern. Da wir nicht in Geld schwimmen, sagten wir ihr diese große Party als Geschenk zu. Ein großer Raum sollte es werden, Cocktailbar, DJ, tolle Dekoration und viele viele Freunde - so weit, so gut.
Doch dann machte sie ihren Führerschein. Uns war wichtig, dass sie direkt Routine bekommt, also kam uns die Idee: Wir schenken ihr zum Geburtstag einen Roller. Da das finanziell mit der Party kollidierte, kontaktierten wir die Kindesmutter. Wir fragten, ob sie die Party übernehmen wolle. Erstaunlicherweise hatte sie bis dahin keinen Plan und übernahm die Idee. Super, dachten wir! Wir übergaben ihr den Kontakt zu einem coolen, bezahlbaren Jugendclub und hielten uns fortan im Hintergrund. Man wird schließlich nur einmal 18, und wir wollten, dass sie ihren Tag genießt. So viel zur Vorgeschichte.
Das drohende Desaster
Der Termin rückte näher. Als wir die Einladungen sahen, traf uns der Schlag: Die Adresse war eine Gartensparte – ein Garten ohne Überdachung oder Heizung für Ende September. Wir schwiegen. >Dann kam die Einkaufsliste: Getränke wie auf einem Kindergeburtstag und ein Buffet voller Fleisch – dabei ist unsere Tochter seit Jahren bekennende Veganerin.
Als ich das hörte, wusste ich, dass wir im Sinne unserer Tochter handeln mussten. Ich bot meiner Tochter an, die Deko zu übernehmen, und riet ihr dringend, das Buffet mit ihrer Mutter zu besprechen.
Krisenmanagement im Patchwork: 5 Tage vor der Angst
Dann kam der Wetterbericht: 5 Grad und Dauerregen. Fünf Tage vor der Party flossen die Tränen. "Können wir nicht doch etwas anmieten?" Ich schaute meine Tochter an und dachte nur: What the f...? Wie sollen wir das jetzt bitte hinbekommen?
Am Folgetag riefen wir alle Jugendclubs der Stadt an - natürlich waren alle für den Samstag ausgebucht. Bis auf einen - die ursprüngliche Location!
Während es von ihrer Seite hieß: "Wenn das Kind etwas anmieten möchte, dann soll sie sich doch bitte auch darum kümmern.", retteten wir, was zu retten war. Wir machten die Verträge fertig, zahlten an, organisierten Schlüssel und Deko. Die Getränkeliste war nach wie vor nicht dem entsprechend, was im Voraus gedacht war - aber gut, wir konnten ja nicht alles retten. Das Buffet wurde auf vegan umgestaltet - glücklicherweise.
Blockierte Kommunikation: Eiszeit im Festsaal
Und jetzt kommen wir zum Punkt: Wir Eltern haben kein Wort miteinander gesprochen. Gerade so ein distanziertes "Hallo", unfreundliche Blicke, verschränkte Arme und in der Ecke zu sitzen war unser Spiegel. Daniel und ich haben es liebevoll wegignoriert. Wir wollten uns diesen besonderen Tag nicht vermiesen lassen. Die Party wurde von uns unbeabsichtigt durchgeplant. Es gab eine große Aktion zur Übergabe mit dem Roller, wir hatten eine tolle vegane Torte über einen Freund machen lassen, die wir einen Tag zuvor noch aus Dessau holten, es gab eine Fotobox mit vielen Dekoartikeln für die Bilder selbst, Wunschkarten für die Heliumballons, die wir besorgten, und eine Ansprache.
Lange hatte ich überlegt, ob ich diese Ansprache halte. Ich wusste, dass sie für manche im Raum emotional schwierig sein könnte. Nach den Hürden im Voraus war es mir dann aber wichtig, diese Worte an mein Ziehkind zu richten. Es dauerte keine zwei Minuten und mein Kind war den Tränen nahe. Noch einmal zwei Minuten und ihre Freundinnen heulten mit. Es war also perfekt.
Der Prellbock der Versäumnisse
Gegen Ende des Abends lag ein Fotoalbum mit Babybildern und sehr persönlichen Ausschnitten auf dem Geschenketisch. Es war wunderschön gemacht und diesem Album konnte man entnehmen, dass dieses Kind aus Liebe zwischen zwei Menschen entstanden ist. Daniel und ich waren gerührt. Es war ein wirklich sehr persönliches und schönes Geschenk. Unsere Tochter lächelte und empfand es ebenso. Diese Freude hielt genau einen Tag. Dann erntete sie massive Vorwürfe von der anderen Seite: Wie es denn sein könne, dass wir dieses Album angeschaut hätten?
Genau dieser Moment zeichnet unser Verhältnis aus. Ein Kind, das einst aus Liebe zwischen zwei Menschen entstanden ist, ist heute der Prellbock für die Versäumnisse der Eltern.
Mein Fazit
Die Party war ursprünglich nicht unser Projekt, aber am Ende zählte nur das Ergebnis: Dieser wichtige Tag ist für meine große Tochter nicht ins Wasser gefallen, sondern wurde zu einer wunderschönen Erinnerung. Warum das am Ende doch noch geklappt hat? Weil es uns gelungen ist, die eigenen Befindlichkeiten hintenanzustellen. Es ging in diesem Moment überhaupt nicht um die Konflikte zwischen uns Erwachsenen – es ging einzig und allein um das junge Mädchen, das 18 wurde. Und genau das sollte im Patchwork immer der Kompass sein.
Wie ich diese ganzen Eskapaden in den letzten Jahren überlebt habe und welche Strategien mich retteten, das erzähle ich euch ein andermal.
